Alain Beretz, Professor an der Universität Straßburg

Der ehemalige Präsident der Universität Straßburg, Alain Beretz, ist von der französischen Regierung beauftragt, französische Universitäten zu vereinen, die sich europäischen Netzwerken anschließen wollen. Wer fest an Lehre und Forschung glaubt, hört nie auf, die Aufgeschlossenheit zu verteidigen (und in die Praxis umzusetzen!) – für mehr Austausch und verschiedene Blickwinkel.

Warum sind Sie in Straßburg geblieben?
Es war einfach ganz natürlich, denn hier fand ich alles, was ich für meine berufliche Laufbahn brauchte.

Wenn Sie Straßburg in drei Worten zusammenfassen müssten?
Das ist eine Fangfrage! Ich würde sagen „Kreuzung“, denn Straßburg ist die Stadt der Straßen, sie ist also die Kreuzung, der Schnittpunkt von Ideen, Nationalitäten und Kulturen. „Europa“, denn Straßburg ist durch sein Universum, seine Geographie, seine Geschichte von Natur aus europäisch. Und als letztes wage ich, „Winstub“ zu sagen – weil sich darin Geselligkeit, Multikulturalität, Verständnis und Lebensfreude birgt. Straßburg ist auch das.

Welche Werte, die Straßburg verkörpert, passen am besten zu Ihrer Persönlichkeit?
Für mich ist Humanismus der fundamentale Wert Straßburgs. Humanismus, das heißt Respekt vor dem anderen, ein Wert, der auch von unserer Geschichte herrührt und für einen Akademiker ein Grundwert ist.

Was bewegt Sie auch heute noch in Straßburg?
Es gibt kein gezieltes Gefühl, Straßburg ist eine Atmosphäre, es ist ein Rahmen, etwas Diffuses. Was ich beispielsweise liebe, ist mir die Zeit zu nehmen, nach oben zu schauen, wenn ich herumlaufe. Die Stadt anschauen und jedes Mal etwas zu entdecken, das Gefühle hervorruft.

Ein unvergessliches Erlebnis in Straßburg?
Beruflich hatte ich viele Höhepunkte, aber wenn ich einen hervorheben müsste, wäre es wahrscheinlich die Feier, die für mich organisiert wurde, als ich den Vorstand der Universität verließ: eine Mischung aus Erinnerungen, Freundschaften, Kameradschaften und Geselligkeit. 

Wenn Sie Besucher empfangen, welches Bild haben diese a priori von Straßburg und was denken sie, nachdem sie die Stadt entdeckt haben?
Wenn Besucher an die Universität Straßburg kommen, kommen sie wegen der Universität, wegen der Forschung, der Ausbildung oder aufgrund politischer Aspekte. Sie kommen nicht nach Straßburg, um Straßburg zu besuchen, um das klarzustellen, aber sie wissen, wie symbiotisch die Universität und die Stadt sind. Sie entdecken die Qualitäten einer Stadt, die sie nie vermutet hätten. Man kann sich also fragen, warum sie sie nie vermutet hätten, ist Straßburg zu bescheiden?

Wie verkörpert Straßburg den Optimismus?
Die Stadt hat es verstanden, zu einem Brutplatz für vielfältige und unterschiedliche Initiativen, zu einem Brutplatz für Erfindergeist und für Brüderlichkeit zu werden.

Straßburg zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Tretroller, mit der Straßenbahn oder mit dem Bus?
Das weiß doch jeder: Straßburg ist eine großartige Fahrradstadt, es ist ein Vergnügen, hier Rad zu fahren, egal ob es schneit, windet oder sonnig ist.

Eine ideale Route?
Straßburg ist eine Stadt, die klein genug ist, um jedes Mal die Strecken zu ändern und neue Wege zu entdecken.

Ein Lied, das zum Durchqueren der Stadt passt?
Der Soundtrack zu Philippe Claudels Film Tous les soleils, der in Straßburg spielt, ist eine italienische Tarentella. Der Held fährt auf einer Solex durch Straßburg, und da ist diese absolut einprägsame Musik, die ihn verfolgt. Das ist ein großartiges Bild von Straßburg, und man kann nicht anders, als mitzusingen.

Ein idealer Sonntagmorgen in Straßburg?
Im Bett! [Lacht]